Lebenslauf Andreas Güntzel

Da schon die Idee unseres Produkts etwas ungewöhnlich ist (wer stellt schon wirklich Kleidung in Deutschland her, denn das macht man nicht mehr), gehe ich mal in diesem etwas anderen Lebenslauf von heute an rückwärts in die Zeit und jeder mag so lange dabei bleiben, wie er Lust hat, in der Vergangenheit zu schwelgen.

 

Heute haben Julia (meine Frau) und ich unser kleines Unternehmen und verkaufen ökologische Bekleidung, in der Hauptsache Jeans. Wir leben in unserer Manufaktur und verbinden Arbeit mit Leben und Leben mit Arbeit. Unsere vier Kinder sind ein großer Teil davon, denn die vier nehmen sich die Zeit, die sie haben wollen.

Im Manufaktur-Teil unseres Lebens haben wir eine tolle Kollektion mit vielen Passformen und arbeiten ständig daran, unsere Kunden von unseren Produkten zu begeistern – meistens klappt’s zum Glück, denn wir haben viele „Wiederholungstäter“. Leider halten unsere Jeans ziemlich gut und so kommen unsere Kunden nicht alle 4 bis 6 Monate, aber das hatten wir ja so geplant.

Wir geben uns bis heute Mühe, uns um jeden Kunden umfassend zu kümmern und wollen das auch so beibehalten. Das ist manchmal ein schöner Spagat, die Herstellung ökologischer Jeans und Bekleidung und eine sechsköpfige Familie mit den verschiedenen Anforderungen, in einem Haus unter einen Hut zu bekommen, aber wir machen es gerne. Unser Anspruch ist und bleibt, von der Produktion und dem Verkauf unserer Produkte zu leben und nicht im siebten roten Sportwagen am roten Teppich abgelichtet zu werden.

Geniestreich
Geniestreich
Geniestreich
Geniestreich
Geniestreich

Im Spät-Sommer 2014 haben wir die ersten Jeans an Kunden verkauft, die nicht Freunde und Bekannte waren. Die Zeitung hatte von uns berichtet und es ging los.

 

Die Maschinen wurden davor im März geliefert und dann ging es daran, Schnitte zu optimieren und auf die Maschinen anzupassen. Irgendwer hat die Maschinen mal mit Rennwagen verglichen, die schnell sind, aber auf jede einzelne Strecke angepasst werden müssen.

Zu Beginn hatten wir 2 Herren- und 2 Damenschnitte in den gängigen Größen. Die ersten Schnitte hat uns eine Designerin aus Herford konzipiert, die wir über die FH Bielefeld Fachbereich Mode kennengelernt haben.

Und so haben wir den Verkauf mit vier Modellen, einem Stoff und einer Nahtfarbe begonnen.

Meine Anstellungen in verschiedenen Positionen in der Industrie beginnend 1995 habe ich beendet. Mit dem, was wir erspart hatten, haben wir uns in das Abenteuer „Geniestreich“ gestürzt.

Die Idee zum „Geniestreich“ kam mir Anfang 2013. Es gab Ende 2012 in den asiatischen Ländern mehrere große Unfälle in den Textilfabriken Asiens, insbesondere Bangladesh war trauriger Vorreiter. Die Vorfälle waren in den Medien präsent und ich sah auf dem Bildschirm in den Trümmern Label billiger und extrem teurer Anbieter liegen.
Die Berichterstattung hat mich ziemlich schockiert, denn Mädchen von 14-16 Jahren mussten gemäß den Darstellungen 12-14 Stunden täglich arbeiten und durften nichts trinken, um nicht auf die Toilette gehen zu müssen. Als ich eine Jeans „Made in Germany“ kaufen wollte, war das zum damaligen Zeitpunkt nahezu unmöglich.

Entweder die Hosen waren unerschwingliche Designereinzelstücke, nicht „bürotauglich“ oder beides. Die Hersteller, von denen ich immer dachte, sie würden in Deutschland fertigen, machen hier wenn überhaupt nur noch „die wichtigen Arbeitsschritte“ wie Aufnähen des Labels und ähnliches. Das war mir zu wenig und so war die Idee geboren.

Gemeinsam haben Julia und ich dann schnell beschlossen, dass wir es versuchen und wenn, dann gleich richtig und zwar ökologisch.

Es sollte eine Jeans mit einem „normalen“ Lebenszyklus sein: erst für gut (Büro und Feierlichkeiten), dann für den Alltag und abschließend in den Garten oder zum Umbau. Und dieser Zyklus sollte nicht wie heute oft üblich in 6-8 Monaten komplett abgeschlossen sein. In der Zeit der Unternehmensgründung war das bislang schlimmste Unglück in Bangladesh, der Einsturz des Rana-Plaza mit mehreren tausend Toten und wieder mit billigen und teuren Labeln im Schutt.

Anfang 2012 wurde unser Kleinster geboren - Mats. Wir litten mit 3 Kindern nicht unter Arbeitsarmut und wollten es auch dabei belassen, aber er hatte es irgendwie zu uns geschafft. Wir haben uns riesig gefreut und freuen uns auch heute noch jeden Tag über dieses kleine lebenslustige Bürschlein – auch wenn man nachts wieder mal Füße im Gesicht hat. 2008 kam Lasse zu uns und 2005 Sontje (mein einziges Mädchen). Den Anfang des Kinderreigens machte 1999 Bjarne.

Gut zwei Jahre nachdem wir uns kennenlernen durften, haben Julia und ich geheiratet.

1995 habe ich mein Studium beendet und bin seitdem Diplom-Kaufmann. Ich kann durchaus den schlechten Ruf eines BWL-Studiums nachvollziehen, denn auch die „Angewandte BWL“ ist meiner persönlichen Einschätzung für’s wahre Leben unter Umständen doch noch zu theoretisch. Es gab viel auswendig zu lernen und viel, dass ich heute nicht mehr für das tägliche Leben benötige, aber so ist es eben nun einmal. Im Herbst desselben Jahres startete dann auch mein Arbeitsleben nach dem Studium.

Der erste Schritt „Arbeitswelt“ war getan. Im Sommer 1988 hatte ich meine Lehre beendet und bin seitdem „Industriekaufmann“. Das hatte mir schon Spaß gemacht. Mein Ausbildungsbetrieb war aber auch richtig gut und so beschloss ich, mich kaufmännisch weiterzubilden und da blieb aus damaliger Sicht nur das BWL-Studium. Geboren wurde ich 1967, das ist also schon ein paar Donnerstage her.

Mein größtes Hobby ist meine Familie. Meine Frau und meine Kinder sind für mich sehr wichtig und machen mir riesigen Spaß. Den Großteil meiner freien Zeit versuche ich, mit Julia und den Kindern zu verbringen.

Basteln ist ein weiteres großes Hobby von mir. Am liebsten am Haus, im Garten oder an Möbeln. Momentan bleiben mir nur die Nähmaschinen, an denen ich immer wieder mal was basteln muss.

Sport habe ich natürlich auch gerne. Ja, ich bin einer von denen, die Fußball mögen, aber „meine Mannschaft“ gehört (leider) nicht zu denen, die Mannschaftswerte im dreistelligen Millionenbereich vorweisen können – irgendwann vielleicht mal wieder. 
Nachdem ich früher selber Handball gespielt habe (musste wegen einer Verletzung aufhören) und nebenher noch Fußball (nicht im Verein), beschränke ich mich aufgrund von Blessuren zumeist darauf, das Geschehen von außen zu betrachten. Bjarne, sowie seit vergangenem Jahr auch Lasse, darf ich beim Fußball zuschauen und Sontje beim Kunstturnen.

Gesellschaftsspiele sind mir auch wichtig, aber leider blieb hierfür gerade in den letzten drei Jahren kaum Zeit. Wenigstens der Besuch der „Spiel Mit“ in Essen hat jeweils noch geklappt.

 

Ich hoffe, nichts vergessen zu haben. Wenn jemand mehr wissen möchte, biete ich an, telefonisch Rede und Antwort zu stehen.

 

Andreas Güntzel

GENIESTREICH •  upstream GmbH  •  Luzerner Straße 6  •  33649 Bielefeld

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